Wie man Stammkunden verliert

Wie man Stammkunden verliert

So mancher scheint ein echtes Talent zu haben, wenn es darum geht, Stammkunden zu verlieren. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass der gute (räusper) Mann, um den es in diesem Blog vorrangig geht, mit seinem Auftreten mich nicht deshalb verloren hat, weil ich ein Sensibelchen bin.

Endlich Badewetter

Ein wahrlich genialer Morgen! Strahlend blauer und wolkenloser Himmel. Nachmittag bis zu 32 Grad Lufttemperatur und mein Lieblingssee, der Fuschlsee angenehme 21 Grad. Herz, was willst du mehr!

Fuschlsee im Salzburger Land
Fuschlsee im Salzburger Land

Auf geht’s zu meinem Stamm-Badestrand – dem mit dem großen gelben Schild auf dem Weg von Hof nach Fuschl.

Es ist kurz nach 9 Uhr, als ich am Strand ankomme. Am Parkplatz, der sich etwas oberhalb vom Badestrand befindet, sitzt heute noch keiner zum Kassieren. Ein Blick zur Liegewiese hinunter bringt für mich eine Erklärung – ich bin erst Nummer 2, die in den Badetag startet.

Also auf geht’s zu Fuß hinunter, denn ich weiß aus den vergangenen 25 Jahren, in denen ich hier regelmäßig herkomme, dass die Besitzer des Strandbades später auf der Liegewiese durchgehen zum Kassieren. Also alles kein Problem. Dachte ich …

Ein kurzes Vergnügen

Am Badestrand angekommen begebe ich mich direkt in Richtung See und schwimme los. Ahh! Herrlich!

Gute zwei Minuten im Wasser kommt der Besitzer mit seinem Auto direkt ans Ufer.

Er: „Heh!!!“

Ich: „?“ (ich bin gut 20 Meter hinausgeschwommen und drehe mich um)

Er: „I kriag vu dir 4 Euronen!“
(„Ich bekomme von Dir 4€!“)

Ich: „Jo, klar. I kim donn glei zu dir auffi!“
(„Ja, klar. Ich komme dann gleich zu dir hinauf!“)

Er: „Nix do! Kim außa do, oba glei!“
(„Kommt nicht in Frage! Verlasse den See, aber sofort!“)

Ich: „Des is iatz oba ned dei Ernst, oda?“
(„Das meinst du jetzt aber nicht ernst, oder?“)

Er: „Außa do! I glaub i spinn, legt’s do oafach ohne zoin in mei Wiesn und geht schwimma!“
(„Heraus mit dir! Ich glaube, ich spinne, legt sich der einfach auf meine Wiese ohne zu bezahlen und geht dann schwimmen!“)

Der gute Mann lässt mich also tatsächlich aus dem Wasser kommen. Ich frage mich jetzt im Nachhinein, warum ich das überhaupt getan habe. Einfach in 10 Minuten zahlen zu gehen, hätte sicher auch gereicht. Ich schwimme also gehorsam umgehend zurück. Am Ufer angekommen, steigt er ins Auto und meint, dass ich zu ihm hinaufkommen müsse, um zu bezahlen. Sofort! Daraufhin fährt er doch tatsächlich wieder hinauf zum Parkplatz.

Etwas verdutzt stehe ich am Ufer. Das ist jetzt nicht wahr, oder? Ich muss mich ärgern, dass ich mich gerade so ärgern muss! Genau in dem Moment wurde mir klar, dass er mich hier nie wieder sehen wird. Nach 25 Jahren Stammkunde.

Dafür kommen dann zwei andere!

Um das Ganze etwas abzukürzen: er war dann auch oben vorerst nirgends zu sehen, weshalb ich zum Bauernhof gegangen bin und geklingelt habe. Geöffnet hat mir seine Frau (sie war krank), der der ganze Vorfall sichtlich peinlich war und sich mehrmals entschuldigt hat. Und ich muss natürlich auch nichts bezahlen, wenn ich nur kurz im Wasser war.

Auf dem Weg zum Auto taucht dann er wieder auf. Dass ich Stammkunde wäre, hätte er ja nicht wissen können. Und außerdem würde ich ja auch nicht einfach in ein Geschäft gehen, mich bedienen und dann einfach gehen. Meine Frage, ob er mich nun auch noch als Dieb bezeichnen wolle, hat er dann aber verneint.

„Ist mir egal, dafür kommen zwei andere!“, war dann noch seine Antwort, als ich ihm gesagt habe, dass er soeben einen Stammkunden verloren hat, der seit 25 Jahren regelmäßig zu ihm gekommen ist.

Es geht auch ganz anders

Da es auch noch andere Strandbäder gibt, bin ich dann direkt zum nächsten weitergefahren, dem Badeplatz Wesenauer.

Dort habe ich mir einen 10-er Block gekauft und  dem Kassier meine Geschichte kurz erzählt. Musste sie irgendwie loswerden, spürte immer noch den Ärger in mir. Daraufhin meinte er: „Weißt du was? Dafür kannst du bei mir heute ohne zu bezahlen hinein!“

Und schwupps – mein Ärger war weg und der Badeplatz Wesenauer hat einen Stammkunden mehr!

5 Gedanken zu „Wie man Stammkunden verliert“

  1. Also, mein lieber Horst, ich finde, dass der Mann absolut Recht hatte. Was gehst Du auch nicht mit Deinem Geldbeutel schwimmen. Oder fährst vor dem Schwimmen zu seinem Haus, hinterlässt den Betrag und ziehst dann Deine Runden. Sei mal lieber froh, dass er so gut drauf war und die Heugabel im Haus gelassen hat. 😉

  2. Ja das kannst Du sicherlich besser beurteilen, da man als Leser den Ablauf vor Ort nicht mitbekommen hat.

    Sicherlich hat auch er schlechte Erfahrungen ohne Ende gemacht mit solch einem Badestrand. Muss Dir aber beipflichten, jemand extra aus dem Wasser ordern, das geht dann einen Schritt zu weit. Er hätte, wenn auch unfreundlich, Dir zurufen können, dass sobald Du mit dem Baden fertig bist, Du zum Zahlen vorbeikommen sollst.

    Wenn es aber viele andere gute Strände bei Dir gibt, hat er natürlich wenig Argumente 🙂

    LG Bay

  3. Hallo Horst,

    ja das ist allerdings dreißt. Wobei man auch immer noch eingrenzen muss, ob der Strandbesitzer nicht vielleicht auch wirklich mal einen saublöden Tag hatte, was aber nicht solch eine Art und Weise rechtfertigt.

    Manchmal muss man Menschen auch eine zweite Chance geben. Falls Du nochmals hingehen solltest, geh direkt auf ihn zu, sprich ihn auch nochmal freundlich auf den das Geschehen an und wünsche ihm einen schönen Tag… Wenn er von da an zu Dir nicht netter ist, dann kannst wirklich einen Strich drunter ziehen…

    Ich hatte vor 2 Tagen auch einen üblen Tag, da hätte ich wirklich jeden alles geheißen 🙂

    LG Bay

    1. Servus Bay!

      Ja klar kann er auch einen schlechten Tag erwischt haben. Wird vermutlich auch so gewesen sein, bisher hatte ich noch keine Probleme mit dem Mann.

      Aber wie schlecht auch immer man drauf ist: es gibt gewisse Grenzen, die man nicht überschreiten sollte. Zumindest für meinen Geschmack hat er sie deutlich überschritten.

      Wenn mir einmal etwas zuviel wird, kann ich dann auch sehr stur (ich nenne es gerne „konsequent“ 😉 ) sein. Der sieht mich bestimmt nicht wieder an seinem Badeplatz. Es gibt in unserer Gegend genügend andere, sehr schöne Plätze.

      Btw.: ob Stammkunde oder nicht. Auch ein Erstbesucher hätte so nicht behandelt werden wollen.

      Have fun
      Horst

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.