Devs Play: Factorio – Teil 1

Ich finde, Spieleentwickler die selbst keine Spiele spielen sind ein bisschen wie Metzger die kein Fleisch essen – irgendwie passt das nicht. Als Entwickler hat man (oder habe ich zumindest) aber auch eine etwas andere Perspektive auf Spiele, als möglicherweise die meisten Spieler. Man schaut schon mal, was die anderen Spiele so machen, was einem gefällt und möglicherweise als Inspiration für ein eigenes Projekt dienen könnte, oder was weniger gut gelungen ist.

Der Plan für „Devs Play“ ist ein Spiel zu spielen – und meine Erlebnisse und Abenteuer hier zu dokumentieren (diejenigen die schon etwas länger im Internet unterwegs sind kennen das als ein „Let’s Play“). Und wenn sich die Gelegenheit bietet, werde ich meinen Entwickler-Hut aufsetzen und kluge Kommentare von der Seitenlinie dazwischenstreuen:

Entwickler Iwan sagt: Mal sehen wie das läuft. 😀

Factorio_LogoFactorio ist bei Steam im Early Access erhältlich. Mit über 7000 Bewertungen die „Äußerst Positiv“ sind scheint es den Nerv ziemlich vieler der sonst eher kritischen Steam-Nutzer getroffen zu haben. Das Spiel ist in einem weit fortgeschrittenen Entwicklungsstadium – es ist komplett spielbar und enthält neben einem Endlosspiel auch mehrere Kampagnen (von denen eine als Anfängertutorial dient). Die Hintergrundgeschichte ist schnell erzählt: Man strandet auf einem unbewohnten Planeten und versucht, von diesem wieder wegzukommen. Die einzigen Werkzeuge die man dazu anfangs zur Verfügung hat sind die eigenen zwei Hände und ein Ingenieursdiplom von der „Marc Watney Intergalactic University“ oder einer ähnlichen Schule wo man lernt wie man alleine aus dem Nichts eine funktionierende Kolonie hochzieht.

Ich habe das (nett gemachte aber insgesamt unspektakuläre) Tutorial durchgespielt um die Grundlagen der Steuerung zu lernen, und dann beschlossen, mich ins Endlosspiel zu stürzen. Die Spielwelt ist zufallsgeneriert, was den Wiederspielwert steigern dürfte. Fürs erste Mal lasse ich alle Einstellungen für die Weltgenerierung bei den Standardwerten…

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Alles Normal/Medium/Regular hier

… und werde nach kurzer Ladezeit über den Sinn meines Daseins auf dieser Welt informiert:

Factorio_Hello
Na wenn es sonst nichts weiter ist… Moment, was für „natives“ ???

Und damit übergebe ich an unseren Spieler „Ingenieur Iwan“ 😉


Logbuch: Tag 1

„Werde ein Ingenieur bei der Raumflotte“ haben sie gesagt. „Sicherster Job der Welt“ haben sie gesagt. Na klar. Bis der Computer eine „Unvorhergesehene Fehlfunktion“ feststellt und plötzlich alles um dich herum explodiert. Ich habe es kaum zur Rettungskapsel geschafft – keine Ahnung ob außer mir jemand überlebt hat. Und hier draußen wird so schnell keiner nach mir suchen – ich bin auf mich alleine gestellt.

Factorio_Ingenieur
Wie bin ich nur in diesen Schlamassel hineingeraten?

Positiv gesehen ist dieser Planet nicht der schlechteste Ort für eine Notlandung: Die Temperatur ist erträglich, die Atmosphäre ist atembar, es gibt Vorkommen verschiedener Ressourcen an der Oberfläche. und – was vielleicht am wichtigsten ist – ich wurde nicht innerhalb der ersten Minuten die ich hier verbracht habe von irgendeinem einheimischen Monster zerfleischt. Ich habe allerdings Fußspuren gesehen – alleine bin ich hier wohl nicht. Nach eingehender Analyse meiner Lage sind meine momentanen Prioritäten

  1. Weiterhin nicht gefressen werden
  2. Nach Hause telefonieren, damit mich jemand abholen kann. Ich bin zwar verdammt gut in dem was ich tue, aber hier ein interstellares Raumschiff zusammenzuzimmern liegt knapp außerhalb dessen was realistisch wäre.

In der Rettungskapsel habe ich eine Pistole mit Munition gefunden, und ich hatte zufällig noch einen primitiven Schmelzofen und einen brennerbetriebenen Minenbohrer in der Tasche – besser als nichts. Im Süden habe ich ein Kohlevorkommen entdeckt – gefundenes Fressen für meinen Bohrer.

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Ich füttere meinen Bohrer mit Kohle damit mein Bohrer Kohle abbaut damit ich meinen Bohrer mit Kohle füttern kann damit mein Bohrer Kohle abbauen kann damit…

Gestern noch kontrollierte ich den Antimaterieplasmafluss eines Hyperantriebes – heute läuft meine Technologie mit Kohle. Das ist mal „back to the roots„.


 

Logbuch: Tag 2

Ich habe jetzt genug Kohle um meinen Bohrer bis an mein Lebensende Kohle fördern zu lassen. Kohle ist ein guter Brennstoff und mit einen Chemielabor könnte ich daraus auch noch einige spannende Dinge synthetisieren – aber um ein Chemielabor (oder für den Anfang auch etwas bescheidenere Projekte) bauen zu können brauche ich Eisen. Eine halbstündige Wanderung nördlich des Kohlevorkommens werde ich fündig: Eisenerz in Hülle und Fülle – und als Bonus noch ein Kupfervorkommen direkt daneben! Wenn nur die Kohle nicht so weit entfernt wäre… ich freue mich jetzt schon ÜBERHAUPT NICHT darauf, die geförderte Kohle aus dem Süden in meinen Taschen hier hochzuschleppen. Und wenn wir gerade bei Dingen sind auf die ich mich ÜBERHAUPT NICHT freue: Mein einziger Minenbohrer ist mit der Kohle beschäftigt – und um weitere zu bauen brauche ich Eisen und Stein – Bergbau wie vor der Industriellen Revolution.

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Mining Selfies

Am Abend schaue ich noch einmal nach meinem Bohrer. Ungefähr fünf Minuten nachdem ich weg war ist ihm offenbar der Sprit ausgegangen. Die Ironie…

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Dem kohlenbetriebenen Kohlebohrer im Kohlenfeld ist die Kohle ausgegangen…

Logbuch: Tag 8

Nachdem ich einige Tage lang das Eisenvorkommen mit der Spitzhacke malträtiert, Kohlebrocken mit bloßen Händen über die halbe Weltkarte geschleppt, und die daraus im Schmelzofen hergestellten Eisenplatten zu weiteren (kohlebetriebenen) Minenbohrern verarbeitet habe, läuft meine Eisenproduktion langsam an.

Das Kohle schleppen hat ein Gutes (auch wenn mein Körper das anders sieht – Ingenieure sind keine Athleten): Es gibt mir Zeit zum Nachdenken während ich den immer gleichen Weg entlangstapfe. Denn gerade dabei erinnerte ich mich an einen Trick, den Ingenieure in einer Zeit vor Antigravitation und fliegenden Robotern angewandt haben:

FLIESSBÄNDER!

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Ich bin ein Eisenmogul!

Meine Kohle kommt von links auf dem Fließband direkt zu den Schmelzöfen, Eisenerz läuft auf dem kleineren Fließband von oben ein. Automatische (kohlebetriebene, aber zum Glück selbstversorgende) Greifer befördern Kohle und Eisen in die Öfen und ich muss nur noch die fertigen Eisenplatten entnehmen. Nur muss ich immer noch von Hand die Kohle in den Minenbohrern nachfüllen – das muss sich ändern!

Entwickler Iwan sagt: Factorio hat, ähnlich wie eXperinox, nur wenige Grundressourcen, von denen einige direkt genutzt werden können, die meisten aber weiterverarbeitet werden müssen um nützlich zu sein. Fließbänder bestehen aus Eisenplatten und Zahnrädern – Zahnräder selbst werden auch aus Eisenplatten hergestellt. Das Spiel nimmt einem dabei, wenn man „von Hand“ Gegenstände fertigt das Micromanagement ab und baut die benötigten Zwischenprodukte automatisch – vorausgesetzt man hat genug Basismaterialien im Inventar. Das ist praktisch und erleichtert vor allem am Anfang das Leben ungemein – man hat schon genug damit zu tun die Schmelzöfen abzuklappern um genug Eisenplatten im Vorrat zu haben 😉

Ein Gedanke zu „Devs Play: Factorio – Teil 1“

  1. Das spiele ich schon knapp 1 Jahr, ist teilweise ziemlich Suchterzeugend, wenn man 1 mal drin ist kommt man so schnell nicht weg. Und ganz ehrlich man findet im weiteren Spielverlauf immer noch was was optimiert werden muss. Und dank der Modfähigkeit gibts auch immer was neues was im Spiel auftaucht wenn man es will.

    Die Daumen nach oben sind also durchaus berechtigt.

    Grüße Marco

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