Ein HTML5 Browsergame aus der Zukunft

Das Internet. Unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2018. Einen Samstagnachmittag, um genau zu sein. Ich (Name von der Redaktion geändert) sitze vor meinem Computer um ein paar entspannte Stunden mit meinem Lieblingsbrowsergame „Weltraumeroberungsgame“ (kurz: WEG) zu verbringen.

Ich logge mich ein. Doch bevor ich ins Spiel einsteigen kann, stoppt mich ein Update-Hinweis: Um die aktuelle Version von WEG spielen zu können benötige ich die neueste Version meines Browsers. Okay, das machen inzwischen alle so. Also fix Browser upgedatet und rein ins Vergnügen!

weltraumeroberungsgame

Auf dem Willkommensbildschirm begrüßt mich eine blinkende Prioritätsnachricht vom Kommandanten unserer Allianz. Wir, das „Weltraumeroberungsgame Evil Empire“ sind im Krieg mit der „Weltraumeroberungsgame Alliance of Rebels“ – und für dieses Wochenende ist eine große Operation geplant. Ich klicke auf die Nachricht, ein Video-Fenster öffnet sich, und ich lausche dem Kommandanten während er die Schlachtordnung erläutert. Seit WEG angefangen hat HTML5 Video zu verwenden, ist die Allianzkommunikation wirklich cool geworden. Neben Text-Nachrichten kann man jetzt auch Videos hochladen. Unser Kommandant, ein Rollenspieler-Nerd, schlüpft für seine Videoauftritte in eine Uniform und setzt sich vor einen Bluescreen (oder hat tatsächlich bei sich im Keller eine Kommandobrücke aufgebaut – Allianzinterne Wetten laufen noch). Aber der Aufwand lohnt sich – ich fühle mich in die Welt von WEG hineinversetzt und will diese Schlacht für meine Allianz gewinnen.

Nach dem Briefing-Video überfliege ich die anderen Statusberichte. Die Operation ist angelaufen, das Ziel ist ein Planet der Rebellen. Unsere Flotte ist in ein heftiges Gefecht mit den orbitalen Verteidigungsstreitkräften verwickelt, die Bodenoffensive kommt nicht ins Rollen da die Verstärkung nicht durchkommt. Ich beschließe erst mal beim Flottengefecht zu helfen. Also Gamepad angesteckt, und auf in den Kampf! Nach einem kurzen Ladebildschirm finde ich mich im Hangar eines unserer Trägerschiffe wieder. Ich wähle einen schnellen Abfangjäger und katapultiere mich hinaus ins Getümmel. Die Weltraumschlachten sind dank WebGL-Technologie direkt im Browser opulent inszeniert. Riesige Schlachtschiffe beharken sich mit Plasmabomben, während kleine flinke Raumjäger einen Verteidigungsschirm um ihre Mutterschiffe bilden und anfliegende Bomberstaffeln abfangen. Jeder Jäger wird von einem Spieler gesteuert, größere Pötte benötigen sogar mehrere Spieler gleichzeitig um effektiv zu funktionieren. An dieser Schlacht nehmen über 100 Spieler teil! HTML5 WebSocket Technologie bildet die Grundlage für die Echtzeitkommunikation zwischen dem Server und den Spielern.

Raumschlacht

Eine Fregatte der Feinde setzt unseren Versorgungsschiffen und Truppentransportern zu. Unsere Bomber kommen nicht durch, die verteidigenden Jäger sind zu gut koordiniert. Ich rufe das Kommunikationsmenü auf und suche unsere Abfangjäger-Staffel. Einen Knopfdruck später habe ich eine Sprechverbindung mit dem Staffelführer. Echtzeitsprachkommunikation direkt im Browser mit WebRTC macht es möglich. Ich schließe mich der Staffel an und wir stürzen uns auf die Verteidiger. Ich hefte mich an einen der gegnerischen Jäger und eröffne das Feuer. Er weicht aus, flitzt zwischen den Großkampfschiffen hin und her, nutzt diese geschickt als Deckung während ich dem Flak-Feuer der Abwehrbatterien ausgesetzt bin. Aber dadurch kann er die Fregatte nicht mehr beschützen. Der Staffelführer hat einen Kommunikationskanal zur Bomberstaffel offen, und sobald wir die Jäger beschäftigt haben gibt er den Bombern grünes Licht. Unbehelligt schwenken die schwerfälligen Bomber auf einen Angriffskurs gegen die Fregatte ein und klinken ihre tödliche Fracht aus. In einem Feuerwerk aus gleißend hellen Explosionen verglüht die Fregatte und der Weg für unsere Bodenoffensive ist frei. Nur leider war ich zu nah dran – mein Jäger wird von den Trümmern der Explosion erfasst, für einen kurzen Augenblick leuchten Dutzende von Warnanzeigen rot auf -um dann für immer zu verlöschen. Aus einer externen Perspektive sehe ich hilflos zu wie mein Jäger Teil der Trümmerwolke wird. Doch das wichtige ist, dass unsere Versorgungslinien nicht mehr angegriffen werden – und das Trägerschiff kann schnell einen neuen Jäger bauen.

droidAber nicht für mich, ich habe vorerst genug von Weltraumschlachten. Jetzt da die Bodenoffensive anlaufen kann, ist Strategie angesagt. Einige Klicks später habe ich das Kommando über eines der gelandeten Vorposten auf der Planetenoberfläche übernommen. In der klassischen Vogelperspektive eines Echtzeitstrategiespiels baue ich meine Basis auf, sammle Rohstoffe, baue Truppen und schicke sie in die Schlacht. Die hübsche 2D-Grafik wird in einem HTML5 Canvas-Element dargestellt und WebSockets übernehmen wieder einmal die Kommunikation mit dem Server.

Ein Blick ins Kommunikationsmenü zeigt, dass drei weitere Vorposten in diesem Gebiet gelandet sind. Ich starte eine Videokonferenz mit den anderen Commandern (yay, WebRTC), und wir sprechen uns über unsere Taktik ab. Ich konzentriere mich auf Unterstützungseinheiten, während die anderen offensive Einheiten aus dem Boden stampfen. Doch der Feind schläft nicht – einer der Vorposten wird nach kurzer Zeit von feindlicher Artillerie beschossen. Wir sind alle noch am aufbauen, deshalb fordere ich von der Flotte Unterstützung an. Wenig später wirft ein Truppentransporter einige leichte Mechs über dem Gebiet ab aus dem das Artilleriefeuer kommt. Sie schweben an Jetpacks zu Boden und nehmen die gegnerischen Geschütze aufs Korn.

Die anderen Commander melden Bereitschaft. Wir bringen unsere Truppen in Stellung vor der Festung der Feinde. Ein Schildgenerator schützt sie vor Artilleriefeuer und orbitalem Bombardement – diesen auszuschalten ist unser Primärziel. Aus drei unterschiedlichen Richtungen rücken unsere Verbände vor. Meine Truppen sind hinter der Angriffsstreitmacht, heilen Verwundete, reparieren beschädigte Fahrzeuge, schalten besonders hartnäckige Feinde mit EMP oder Neurotoxinen aus. Nach kurzem Gefecht brechen wir durch – die gegnerische Basis wird dem Erdboden gleichgemacht, der Energieschild kollabiert. Entspannt lehne ich mich in meinem Stuhl zurück. Die Schlacht ist gewonnen, wir haben einen Brückenkopf auf dem Planeten errichtet, die Operation verläuft nach Plan. Die nächste Videobotschaft vom Kommandanten dürfte gut werden…

3 Gedanken zu „Ein HTML5 Browsergame aus der Zukunft“

  1. Wirklich gut geschriebener Artikel, der mit Freude zu lesen ist. Und dass sich Browsergames weiterentwickeln werden, steht wohl ausser Frage. Ziehen wir 2018 mal ein Resumee 🙂

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